Kunstprojekt mit Flüchtlingen

 

S    Syria
A    Afghanistan
   Irak
    
C    Cooperation
A    Attention
R    Recognition
E    Encouragement


Ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen und der SaiCare Stiftung


Die Idee

In den zurückliegenden Jahren hat sich das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland nachhaltig verändert. Insbesondere die Flüchtlingsthematik spielte dabei eine zentrale Rolle. Um der damit einhergehenden Verunsicherung, Berührungsangst und Fremdheit etwas entgegenzusetzen, will sich die SaiCare Stiftung in diesem nicht kommerziellen Kunstprojekt mit Flüchtlingen und Migranten für ein besseres Miteinander, für ‚Unity in Diversity’, einsetzen.

Das Konzept

Angeregt durch ein Coaching professioneller Künstler, die selbst einen Migrationshintergrund und somit die Erfahrung der Fremdheit haben, sollen Flüchtlinge in unserem Land zu Kunstwerken inspiriert werden, die sich mit ihrer Flucht, aktuellen Situation, ihren Ängsten, Träumen, Visionen und Idealen auseinandersetzen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in Kooperation mit dem Künstler authentisch und schöpferisch auszudrücken und dadurch Beachtung und Anerkennung zu erlangen.

Die Bedeutung

Kunst ist ein Medium, das für die meist kritische Auseinandersetzung mit gesellschafts-relevanten Fragen Antworten auf ästhetischer Ebene findet. Sie spricht gleichermaßen die Sinne und den Intellekt an, was ihr einen Vorteil gegenüber anderen Wissenschaften verschafft. Das macht sie auf der einen Seite leichter angreifbar, aber auf der anderen Seite auch sehr stark. Durch die Kunst und ihre Darstellung ist es der Gesellschaft möglich, einen leichteren Zugang zu dieser anderen Perspektive auf das Leben zu erhalten, wenn sie sich dieser denn öffnet.

Unabhängig davon, in welcher Form sie sich präsentiert - ob Literatur, Theater, Film, Musik oder bildende Kunst – stellt Kunst die effektivere Brücke zwischen einander fremden Kulturen dar und kann oft mehr Verständnis für das jeweils Fremde erwirken als es politische Maßnahmen tun können. Sie kann insofern eine wahre Friedensstifterin sein.

In der aktuellen zeitgenössischen Kunst gibt es, im Gegensatz zu früheren Epochen, keine bevorzugte Disziplin. Sowohl Malerei als auch Fotografie, Video als auch Rauminstallationen, Sound- oder Lichtinstallationen oder Performance sind einander ebenbürtig. Dies erleichtert auch dem „nicht malerisch“ begabten oder geübten Menschen den Zugang zu seiner eigenen Kreativität. Dem Künstler ist es überlassen, wie er dem Betrachter seine Haltung, Überzeugung, seine Erfahrungen, Emotionen und  Eindrücke nahebringen möchte. 

Die Umsetzung

Die professionellen Künstler, die als Paten jeweils für eine Region in Deutschland zuständig sind, werden einem Ansprechpartner der Stiftung an die Seite gestellt und besprechen sich mit diesem, der möglicherweise bereits in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist, und besuchen eine ihnen nahestehende Flüchtlingsunterkunft (kein Erstlager), die ihnen geeignet erscheint. Ein von Künstler und Ansprechpartner gemeinsam dargelegtes Kurz-Intro soll den Flüchtlingen eine Hilfe sein und stellt den „zukünftigen Künstlern“ verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten vor, um ihnen den Zugang (zu ihrer eigenen Kreativität) zu erleichtern, sie zu inspirieren und zu motivieren. Nicht jeden der Flüchtlinge wird man so erreichen, aber diejenigen, die sich angesprochen und inspiriert fühlen, arbeiten dann mit dem professionellen Künstler ihre Idee aus. Dafür wird ein Zeitrahmen von etwa neun Monaten festgelegt. Die Ergebnisse werden dann durch einen Beirat gefiltert und die prägnantesten Arbeiten in einer Ausstellung zusammen mit Werken professioneller Künstler mit Migrationshintergrund der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Konkretion

Oktober – November 2016    Konzeption und Praxistest
Dezember 2016                       Vorstellung bei den Ansprechpartnern und Künstlern
Januar – März 2017                 Kontakte zu Flüchtlingsunterkünften
April – Dezember 2017           Workshops und Kreativphase
Januar – März 2018                 Auswertung und Ausstellungsvorbereitung
15.06.2018                                Vernissage in der Galerie Brigitte Schenk, Albertusstraße 26, 50667 Köln
15.06. - 24.08 2018                  Ausstellung mit Sonderveranstaltungen in der Galerie
24.08.2018                                Finissage in der Galerie Brigitte Schenk, Albertusstraße 26, 50667 Köln

Bericht von der Ausstellung

Unity in Diversity
Ausstellungsprojekt der SaiCare Stiftung mit geflüchteten Künstlern

von Brigitte Schenk

In den zurückliegenden Jahren hat sich das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland nachhaltig verändert. Insbesondere die Flüchtlingsthematik spielte dabei eine zentrale Rolle. Um der damit einhergehenden Verunsicherung, Berührungsangst und Fremdheit etwas entgegenzusetzen, hat die SaiCare Stiftung im Juni 2018 über einen Zeitraum von drei Monaten in Köln ein Kunstprojekt mit Geflüchteten ins Leben gerufen. Angeregt von der Idee, gemeinsam auszustellen, wurden Geflüchtete und Migranten aus dem Iran, Irak, Syrien und Nigeria zu Kunstwerken inspiriert, die sich mit ihrer Flucht, ihrer aktuellen Situation sowie mit ihren Ängsten, Träumen und Visionen auseinandersetzen.

Unabhängig davon, in welcher Form sich Kunst präsentiert – ob in Literatur, Theater, Film, Musik oder bildender Kunst – ist Kunst eine Brücke zwischen einander fremden Kulturen und kann oft mehr Verständnis für das jeweils Fremde bewirken, als es je politische Maßnahmen vermögen. Insofern kann sie eine wahre Friedensstifterin sein. Kunst ist ein Medium, das für die oft kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Fragen ihre Antworten auf ästhetischer Ebene findet. Sie spricht gleichermaßen die Sinne und den Intellekt an, was ihr einen Vorteil gegenüber den Wissenschaften verschafft. Das macht sie auf der einen Seite leichter angreifbar, aber auf der anderen Seite auch sehr stark. Durch die Kunst und ihre Darstellung ist es der Gesellschaft möglich, einen leichteren Zugang zu dieser anderen Perspektive auf das Leben zu erhalten, wenn sie sich dieser denn öffnet.

Nach eineinhalb Jahren Recherche, in denen viele Begegnungen mit geflüchteten Künstlern und ihren Kunstwerken stattfanden, bildete sich allmählich das Ausstellungsprojekt „Unity in Diversity“ heraus, das seinen Titel einem Ausspruch von Sai Baba verdankt. Exemplarisch und zum besseren Verständnis des persönlichen Hintergrunds der Künstler, möchte ich hier kurz vier Biographien skizzieren.

Dilomprizulike stammt aus Nigeria und ist mit seiner Installation „Schwarz, Rot, Gold Deutschland über Alles“ – drei Fahrräder, die auf dem Kopf stehend an der Decke des Ausstellungsraumes festgemacht waren – vertreten. Wenige Wochen vor der Vernissage ist er „freiwillig“ in seine Heimat zurückgekehrt und baut nun in Lagos ein Museum für zeitgenössische Kunst auf. Regelmäßig erreichen uns seine E-Mails, die über die Entwicklung des Museums berichten.

Der aus dem Iran stammende Shahram Karimi zeigt seine Installation „The Garden of My Skin“ – eine Installation aus zwei Feldbetten und kleinen zeitgenössischen Miniaturen und selbstgeschriebenen Gedichten, die auf eine Bettdecke gebannt sind. Eine Woche vor der Vernissage ist er vom iranischen Militär-Geheimdienst nach Teheran abberufen worden, um sein Atelier, das er erst kürzlich dort aufgebaut hatte, aufzulösen, da es sich jetzt in einer atomaren Sperrzone befindet, und er als Träger zweier Staatsbürgerschaften dazu „prädestiniert“ sei, möglicherweise zu spionieren. Inzwischen ist er wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Jankiman Omar – die einzige weibliche Teilnehmerin – ist Anfang der 2000-er Jahre unfreiwillig nach Deutschland gekommen. Ihr Vater, der als Kurde politisches Asyl in Deutschland erhalten hatte, wurde bei einem Spaziergang, der an einem Gefängnis vorbeiführte, von einem gerade entlassenen, radikal rechtsorientierten Verbrecher erstochen, der sich vorgenommen hatte, den erstbesten Ausländer zu ermorden, der ihm über den Weg läuft. Jankiman kam nach Deutschland, um ihren Vater zu beerdigen. Sie hatte keinerlei Ambitionen, das Land kennenzulernen, konnte dann aber als Kurdin und wegen der unfreiwillig gewonnenen Popularität ihres Vaters in ihrer Heimat auch nicht mehr zurückkehren. In den letzten 15 Jahren hat sie sich ihren Weg als Künstlerin in Deutschland erarbeitet. Es war eine Freude und ein Gewinn, sie als einzige malerische Position für diese Ausstellung gewinnen zu können.

Mustafa Al Ammar, gebürtiger Iraker, ist gewissermaßen ein Musterbeispiel der Integration eines Flüchtlings. Seine Geschichte wurde im Mai 2018 von “arte“ verfilmt. Mustafa war ein berühmter Sänger in seiner Heimat Irak und später auch in Jordanien. Weil er sich jedoch immer wieder kritisch gegenüber dem Regime geäußert hat, ist er natürlich auch den Geheimdiensten aufgefallen, sodass er gezwungen war, während der Pause eines Konzertes, das er in Algerien gab, auf dramatische Art und Weise und unter Bedrohung seines Lebens nach Deutschland zu fliehen. Nach anfänglicher Arbeit in Flüchtlingslagern hier in Deutschland und „kritischer“ Mitarbeit beim „BAMF“ (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), in der er eindringlich auf die Missstände aufmerksam machte, wurde er nach und nach ein aktiver Politiker und ist heute Integrationsbeauftragter des Landes Baden-Württemberg und Vorsitzender des Vereins „Humanitär ohne Grenzen“. Er ist mit dem Filmbeitrag „Meine Rede vor dem Deutschen Bundestag“ – einer fiktiven Rede vor dem Deutschen Bundestag – in der Ausstellung zu sehen.

Halim Al Karims Familie ist fast vollständig während des Ersten Golfkrieges im Irak umgekommen, sodass er sich verängstigt und noch bis heute stark traumatisiert, drei Jahre lang in einem Erdloch in den irakischen Weiten versteckte und nur mit Hilfe einer Beduinin, die ihn mit Nahrung versorgte, überleben konnte. Schließlich gelang ihm die Flucht über Amsterdam nach Amerika, wo er heute in Denver lebt. Die traumatischen Erlebnisse und sein Studium der Fotografie haben zu seinen brillanten fotografischen Arbeiten geführt. Es scheint, als habe er das Erdloch gegen die Dunkelkammer des Fotolabors ausgetauscht. Seine Kameras, mit denen er seine Fotografien herstellt, baut er zum Teil selbst. Zurzeit arbeitete er an einem unterirdischen Lager, das seine Nassplattenkameras (mit ausgezogenem Balgen) von 7 Meter Länge und fast 3 Meter Höhe geschützt unterbringen kann.

Die Vernissage am 15. Juni haben Staatssekretärin Serap Güler (Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein Westfalen), Manfred Müller Gransee als Vorsitzender der SaiCare Stiftung, Mustafa Al Ammar als Vorsitzender des Vereins „Humanitär ohne Grenzen“, und ich selbst als Mitglied in der Sai CareStiftung, als Galeristin und Organisatorin des Projektes, eröffnet.